Corona bedroht die Sportvereine

Kinder und Jugendliche trifft das Sportverbot besonders hart. Archivfoto: Stefan Peglow

Kreissportbund Prignitz in großer Sorge – die Vereine haben schon die ersten Mitglieder verloren.

Ein Beitrag in der MAZ vom 22.03.2021 von Julia Redepenning.

Perleberg. Wird die Corona-Pandemie zum Sterben der Sportvereine führen? Stellt man dem Vorstand und den Mitgliedern des Kreissportbundes Prignitz diese Frage, fällt die Antwort immer gleich aus. „Der Sport in der Prignitz leidet sehr unter Corona“, sagt Birka Eschrich, Geschäftsführerin des Kreissportbundes Prignitz (KSB), „und ich fürchte, der große Hammerschlag kommt erst im nächsten Jahr.“ Der Frust wächst und das nicht nur bei Birka Eschrich. „Es muss schnell etwas passieren“, sagt Christian Kube, erster Vorsitzenden KSV Prignitz, „denn wir spüren bereits die ersten Auswirkungen.“

Wie schlimm die Lage der Sportvereine wirklich ist, wollten Gorden Hoffmann, Abgeordneter im Landtag und Generalsekretär der CDU Brandenburg, der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU) und Mattis Rusch, Mitglied im CDU-Kreisvorstand Prignitz, ganz genau wissen.

Aus diesem Grund suchen die CDU-Mitglieder den Kontakt zum Sportbund. Während einer Gesprächsrunde im Perleberger Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark wird den CDU-Mitglieder verdeutlicht, wie der Sport unter der Corona-Krise leidet.

Noch sei die Mitgliederzahl fast auf dem Level des Vorjahres, erklärt Birka Eschrich ihren Gästen. Dennoch ist sich die Geschäftsführerin sicher: „Das wird sich bald ändern, wenn wir nicht endlich wieder richtig mit den Sport starten können.“ 175 Mitglieder habe der Verein verloren. „Das geht noch“, so Eschrich. Obwohl der Verlust nicht so hoch ausgefallen ist, wie zu Anfang des Jahres befürchtet, wird das eigentliche Ausmaß der Einschränkungen wohl erst Anfang 2022 wirklich sichtbar werden. Davon geht Birka Eschrich zumindest aus.

Daher stellen die Mitglieder des KSB Prignitz klare Forderungen an die Politik: „Die schnellstmögliche Rückkehr zum normalen Sportbetrieb ist unbedingt erforderlich, um die Vereine vor einem coronabedingten Aus zu retten“, betont Christian Kube, „bitte lassen Sie uns weiterhin Sport treiben und verbieten Sie nicht wieder alles“.

Sebastian Steineke kann die Sorgen und auch die Argumente des KSB Prignitz sehr gut nachvollziehen. Als Vater zweier Kinder, die ebenfalls in einem Fußballverein aktiv sind, kennt er die aktuellen Probleme: „Ich weiß, dass den Kindern der Sport fehlt“, sagt er, „aber wir hatten keine andere Wahl, als den Sport einzuschränken.“

Er verweist darauf, dass gerade bei bestimmten Sportarten Kinder aus verschiedenen Haushalten und aus verschiedenen Schulklassen miteinander vermischt werden,

„Stellen sie sich vor, die Kinder stecken sich hier an“, fügt Landtagsabgeordneter Gorden Hoffmann hinzu, „und im Anschluss gehen sie nach Hause zu Mutti oder schlimmer noch, zu Oma.“

Über das mögliche Ausmaß möchte er nicht weiter nachdenken. „Kinder sind sogenannte Infektionsbrücken“, sagt Hoffmann, „und ich weiß, dass die Situation aktuell eine sehr schwierige ist, nicht nur für Sportvereine.“ Dennoch bittet er um Verständnis und um Einsicht.

Argumente, die die Männer und Frauen des KSB akzeptieren. Dennoch wünschen sich alle mehr Sicherheit. „Dieses ständige Hin und Her macht die Sportvereine kaputt“, betont Dirk Starck, stellvertretender Vorsitzender des Sport- und Spielvereins Einheit Perleberg, „und wir werden wegen der Pandemie ganze Generationen an Sportlern verlieren.“

Aus seiner Sicht sollten Kinder ein regelmäßiges Sportangebot erhalten oder „sie müssen bei der Stange gehalten werden“, wie er es beschreibt. „Einige Kinder werden einfach eine ganze Altersklasse überspringen“, fügt Udo Brandl, langjähriger Trainer in der Leichtathletik, zu den Gedanken von Dirk Stark hinzu, „aber die motorischen Fähigkeiten machen das nicht, weil wir sie wegen der ganzen Verbote nicht ausreichend schulen konnten.“ Udo Brandl kann nicht nur aus der Sicht eines Trainers sprechen, sondern auch aus der Sicht eines Sportlehrers. Brandl ist Lehrer am Perleberger Gymnasium: „Nicht einmal in der Schule haben die Kinder noch genügend Sportunterricht und das merke ich immer deutlicher.“ Mittlerweile müsse er seine Schüler wieder schrittweise an Bewegung gewöhnen. „,Jugend trainiert für Olympia’ fällt aus“, sagt er, „Sportfeste finden nicht mehr statt, und so sinkt die Lust der Kinder und Jugendlichen, sich sportlich zu betätigen und sich in Wettkämpfen zu messen.“

Einen klaren Wunsch äußern alle gegenüber den Politikern an diesem Tag: „Bitte lassen Sie uns unseren Sport“, sagt Dirk Starck stellvertretend für alle, „sonst sterben unsere Vereine.“ Zwar ist aktuell das Training für Kinder unter freiem Himmel wieder erlaubt. Doch dieser Zustand kann sich schlagartig ändern. Überschreite die Inzidenz des Landkreises die 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen, müsste das Training wieder für mindestens 14 Tage aussetzen.

„Wir hoffen, dass wir spätestens im Sommer wieder richtig starten können“, sagt Birka Eschrich, „ansonsten sehe auch ich schwarz.“ Laut Eschrich planen zahlreiche Vereine in den Sommerferien keine Pause einzulegen, sondern versäumte Trainingstage nachzuholen. „Lassen Sie Kinder bis 14 Jahre auf den Plätzen“, betont Dirk Starck noch einmal, „die Prignitz ist eine ländliche Region und Sport ist hier sehr wichtig für die Menschen.“

Dank der ERGO Versicherungsagentur von Bernd Endrullat aus Bad Wilsnack ist unsere C-Jugend nun wieder mit neuen Trikots ausgestattet.
Kapitän Jeremy Schmidt bedankt sich bei Bernd Endrullat im Namen der Mannschaft. Trainer Jens Lausmann hofft, dass die Mannschaft in einer schweren Saison dadurch noch mal einen positiven Schub bekommt.

Die Bambini Mannschaft um Trainer Matthias Klöß und Uli Sonntag bedankt sich bei der Volks – und Raiffeisenbank Prignitz für die tollen
neuen Trikots. Die Kinder freuen sich schon, ihre Trikots bei dem ersten Turnier in diesem
Jahr zu tragen.